Die Stromlücke als Krücke zur Brücke

Von den großen Konzernen und von einigen Politikern wird häufig das Wort Stromlücke benutzt. Damit sollen neue Kohlekraftwerke und Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken gleichermaßen begründet werden. Die Argumentation bezieht sich dabei meist auf eine dena-Studie aus dem Frühjahr 2008.

Allerdings widerspricht der dena-Geschäftsführer Stephan Kohler im November 2008 selbst dieser These "Wir haben keine Stromlücke, sondern eine Effizienzlücke.“ Der Begriff Stromlücke ist also von der Realität entkoppelt und hat keinerlei Grundlage.

Dies umso mehr, als alle unabhängigen Studien und Szenarien, die auf dem Markt derzeit erstellt werden oder bereits existieren, deutlich machen, dass es bei gleich bleibendem Ausbau der Erneuerbaren Energien genug Strom gibt, um den geplanten Ausstieg aus der Atomenergie beizubehalten und sogar Kohlekraftwerke zu ersetzen. Diese Szenarien zeigen auch, dass es finanziell sinnvoll und notwendig ist, den Umbau fort zu setzen.

Diese Szenarien sind von unterschiedlichsten Marktteilnehmern unterstützt und erarbeitet. Dazu gehört natürlich der Bundesverband der Erneuerbaren Energien, aber auch das Bundesministerium für Umwelt und Reaktorsicherheit, Mc Kinsey und im Mai 2010 der Sachverständigenrat für Umweltfragen, der von der Regierung selbst ernannt ist, sich aus mehreren Wissenschaftlern zusammensetzt und unabhängig arbeitet.

Zu anderen Schlüssen kommen eigentlich nur Szenarien, die in Zusammenarbeit mit den großen Energieversorgern entstanden sind.

Einige Szenarien sind auf der Webseite des ForschungsVerbund Erneuerbare Energien aufgelistet.

Es geht also nicht darum, ob wir genug Energie haben, sondern vielmehr um die schnelle Intergation der erneuerbaren Energien. Diese Integration kann nur über einen Systemwechsel von großen Kraftwerken hin zu einer flexiblen (oder intelligenten) Stromversorgung vollzogen werden.

Laufzeitverlängerungen verzögern den Systemwechsel und steigern dadurch die Kosten der Endverbraucher.

Drei Beispiele:

1. Minus auf der Börse
Wenn viel Wind weht rutscht der Strompreis auf der Börse mittlerweile sogar zeitweise ins Minus. Das kommt daher, dass schwerfällige Kraftwerke (z.B. Atomkraftwerke) nicht flexibel sind und weiter laufen müssen. Zu viel Strom im Netz gefährdet jedoch die Versorgungssicherheit. Deshalb müssen die Produzenten dafür sorgen, dass der Strom verbraucht wird. Die Stromhersteller zahlen für die Abnahme.
Mit Laufzeitverlängerungen bei gleichzeitigem weiterem Ausbau der Erneuerbaren Energien kämen diese Situationen häufiger vor. Das klingt erstmal lustig. Allerdings zahlt das Minus im Moment der Verbraucher. Die Kosten werden nämlich derzeit der Vergütung für Erneuerbare Energien zugerechnet und steigern die Umlage, die Stromverbraucher zahlen.

2. Abgedrehter Wind
Wenn zuviel Strom in den Netzen ist, muss schnell gehandelt werden. Atomkraftwerke sind dann zu schwerfällig. Sie können nicht schnell heruntergefahren werden. Deshalb werden immer öfter Windkraftanlagen abgeschaltet. Zu Recht werden sie dafür entschädigt. Die Kosten dafür werden den Netzkosten aufgebürdet. Auch diese Situationen werden sich mit Laufzeitverlängerungen häufen. Es zahlt der Verbraucher.

3. Sinkende Börsenpreise steigern den Preis der Endverbraucher
Sinkt der Börsenpreis, steigt nach der derzeitigen gesetzlichen Grundlage die zu zahlende Differenz für die Erneuerbaren Energien, also die Umlage für jede verbrauchte kWh Strom. Diese steigende Umlage führt dann – meist zu Unrecht – zu steigenden Preisen der Endverbraucher. Mehr …